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| JDS - Tagebuch |
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JDS Tagebuch Am 14.August erfolgte der offizielle Start des JOINT DANUBE SURVEY II in Regensburg. Im Westhafen waren die Argus, das Laborschiff und das Motorboot des Fischteams, die Vienna 115 (vulgo „Piscius“) bereits am Vortag eingetroffen. Der Eisbrecher Szecheny, der für die Unterbringung und Verpflegung der Wissenschafter während der 6-wöchigen Fahrt ins Schwarze Meer dient, hatte die Donaubrücke in Deggendorf nicht passieren können und erreichte Regensburg mit einiger Verspätung erst gegen 22 Uhr. Währendessen erfolgte im Tagungszentrum Bayernhafen die Auftaktveranstaltung zur 2. Internationalen Donau-Messfahrt. Der Exekutivsekretär der Kommission zum Schutz der Donau (IKSD), Philip Weller begrüßte in seiner Einführungsrede u.a. Frau Astrid Klug, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Herrn Gheorghe Constantin, Vize-Präsident der IKSD, Herrn Wolfgang Lazik, Amtsschef des Barischen Ministeriums für Umwelt und Herrn Gerhard Weber, den Bürgermeister der Stadt Regensburg als Ehrengäste. Anschließend wurde den anwesenden Pressevertreter im Rahmen einer kurzen Rundfahrt mit dem Messschiff Argus die Gelegenheit geboten, an einer Probenahme teilzunehmen. Im Anschluss daran verließ die Argus Regensburg flussauf in Richtung der Probestelle in Kelheim, oberhalb der Mündung des Main-Donaukanals bei Strom-km 2.415.
Parallel zu dieser Veranstaltung wurden tagsüber bereits die ersten Fischbestandsaufnahmen oberhalb von Kelheim in der Durchbruchstrecke der Donau bei Weltenburg durchgeführt. Hier ist die Donau ein mittelgroßer Fluss mit einer Breite von 140 m und gerade noch schiffbar. Das nationale Team des Bayrischen Landesamtes für Umwelt, Ref. Gewässerökologie, unter der Leitung von Erik Bohl konnte im Rahmen von umfangreichen Elektrobefischungen 27 Fischarten für diesen Donauabschnitt nachweisen. Diese Untersuchungen erfolgten in Zusammenarbeit mit Nikolaus Schotzko (BAW), als Vertreter der Coreteams des JDS II. Die Artenliste zeigt einerseits das häufige Vorkommen von Leitarten wie z.B. Laube, Aitel, Barbe und Nase (siehe Foto), sowie von bedrohten Arten, wie z.B. den Huchen und Streber. Andererseits wurden auch Fischarten, die nicht zur ursprünglichen gewässertypischen Fauna gehören, wie z.B. Aal und Sonnenbarsch in nicht geringer Anzahl gefangen. Jedenfalls spiegelt der Fischbestand auch in diesem Fall den naturnahen Charakter (Foto) dieser freien Fließstrecke der Donau sehr gut wieder. Darüber hinaus wurden Gewebeproben von Brachsen entnommen, die in 2 verschiedenen Labors auf Rückstände von organischen Schadstoffen untersucht werden.
Die nächste Probestelle des Fischteams in Bayern liegt bei Niederalteich bei Strom-km 2.276. In Jochenstein an der Grenze zu Österreich wird die kleine Flotte des Joint Danube Survey am 17.August erwartet.
Nach den Befischungen in Niederalteich erreichte das Fischteam des JDS 2 am Abend des 16. August den Stauraum von Jochenstein an der Grenze zu Österreich. Nikolaus Schotzko (BAW), Christian Wiesner (Boku) und Jaroslav Cerny (Slowakei) führten noch in dieser ersten Nacht gemeinsam mit dem nationalen österreichischen Team (Technisches Büro Zauner) eine Elektrobefischung entlang der österreichischen Uferseite durch. Am folgenden Tag erfolgten trotz leichtem Regens wie vorgesehen die Befischungen durch ein deutsches, ein österreichisches und das internationale Team des JDS 2, während am Vormittag die Argus und die Szechenyi den Stauraum Jochenstein passierten. Die Ergebnisse zeigten starke Abweichungen von der gewässertypspezifischen Fischfauna. Laube und die erst vor wenigen Jahren eingewanderte Schwarzmundgrundel (Neogobius melanostomus) dominieren den Fischbestand entlang des Blockwurfs. Darüber hinaus kommt hier noch der in der Donau ursprünglich nicht heimische Aal (Anguilla anguilla) in Folge der Besatzmaßnahmen sehr häufig vor. Aufgrund des engen Zeitplans des JDS musste das internationale Team am frühen Nachmittag bereits weiter in Richtung der nächsten Probestelle aufbrechen. Im Rahmen des nationalen Monitoringprogrammes im Zuge der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie werden die nationalen Bearbeiter allerdings noch weitere umfangreiche Befischungen entlang der gesamten österreichischen Donau durchführen.
Nach einem Empfang durch Landesrat Rudi Anschober in Linz wurde am nächsten Tag (18.08.2007) der Donauabschnitt unterhalb von Abwinden – Asten beprobt. Auch hier kommt die Schwarzmundgrundel noch häufig vor. Eine starke Population an Aalrutten (Lota lota) - ein Donautypischer Süßwasserdorsch – reduziert hier offenbar jedoch die Häufigkeit des Einwanderers im Blockwurf . In einem kurzen, seicht durchströmten Seitenarm („Murauer“) wurden Jungfische von Nase (Chondrostoma nasus) und Nerfling (Leuciscus idus) in großer Zahl gefangen. Dieses Ergebnis bestätigt wiederum die Bedeutung derartiger Strukturen und Lebensräume zur selbstständigen Erhaltung der donautypischen, strömungsliebenden Flussfische zu denen auch der bedrohte Streber (Zingel streber) zählt. Derartige Seitenarme wurden vermehrt in den letzten Jahren u.a. im Rahmen von Life-Projekten reaktiviert oder neu geschaffen. Sie dienen als Lebensraum für die Jungfische und bieten Schutz vor dem Wellenschlag des Schiffsverkehrs im Hauptkanal. Während der nächtlichen Befischungsaktion wurde auch ein großer Wels mit über einem Meter Länge gefangen und nach der Vermessung wieder unversehrt zurückgesetzt.
Als dritte Probenstelle für Fische wurde das untere Ende der Wachau ausgewählt. In diesem Donauabschnitt war in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts ein starker Rückgang der ehemals so häufigen Arten, wie Barben, Nasen, Nerflinge und Rußnasen beobachtet worden. In den letzten Jahren sind im Rahmen von Life-Projekten auch hier wieder lebenswichtige Habitate für diese Fischarten geschaffen worden, wie z.B. die Reaktivierung des Seitenarmes bei St. Lorenzen oder die Schotterbänke bei Rossatz. Diese Maßnahmen zeigen bereits erste großartige Erfolge aus fischökologischer Sicht – im Zuge der Befischungen konnten neben einem deutlich vermehrten Jungfischaufkommen der genannten Arten auch die donautypischen Perciden Zingel, Streber und Schrätzer sowie Junghuchen nachgewiesen werden. Insgesamt ergaben die Befischungen bisher bereits 24 verschiedene Fischarten an dieser Stelle.
In derselben Nacht erreichte der Konvoi Wien. Am 20.08.2007 lagen die 3 Schiffe in Wien und die ersten Ergebnisse wurden unter Beisein von Umweltminister Dr. Josef Pröll der Presse bekannt gegeben. Am 21.08.2007 ging es frühmorgens weiter von Wien in den Donauabschnitt zwischen Wildungsmauer und Hainburg. Hier führte das Fischteam des JDS 2 tagsüber gemeinsam mit dem 2. österreichischen Team (Technisches Büro Spindler) Fischbestandsaufnahmen durch. An diesem Tag war das Interesse der Medien besonders groß – neben dem Österreichischen Rundfunk und Fernsehen, begleitete auch ein Tschechisches Fernsehteam die Arbeiten der Wissenschaftler auf Argus und Piscius. Im Zuge der Elektrobefischungen an diesem Tag konnten in der frei fließenden Strecke östlich von Wien 24 Fischarten nachgewiesen werden. Laube (Alburnus alburnus) und Schwarzmundgrundel (Neogobius melanostomus) sind hier am häufigsten vertreten; aber auch die typischen strömungsliebenden Arten wie Nase (Chondrostoma nasus) und Barbe (Barbus barbus) kommen hier noch regelmäßig in allen Alters- und Größenklassen vor.
Während die 3 Schiffe des JDS 2 abends die Grenze in die Slowakei passierten und in Bratislava Station machten, blieb Christian Wiesner auch noch während der Nachtbefischungen beim österreichischen Team. Wiederum wurden während der Nacht wesentlich höhere Fischdichten und -Biomassen entlang der Ufer festgestellt. C.W. kam dann erst nach Mitternacht mit dem Taxi in den Hafen von Bratislava nach.
In der Slowakei wurden die Befischungen an den beiden Probestellen oberhalb von Bratislava und im Stauraum von Gabcikovo bei Cunovo zwar gemeinsam mit den slowakischen Fachkollegen Vlado Kovacs und Janko Kautmann, jedoch ausschließlich mit dem Fangboot des Coreteams durchgeführt. Die beiden folgenden Tage (22./23.08.2007) waren daher mit intensiven Probenahmen ausgefüllt. Besonders hervorzuheben ist der Fang einer größeren Anzahl juveniler Schrätzer (Gymnocephalus schraetser) auf der Kiesbank. Während der Nachtbefischung konnten hier zudem Zingel (Zingel zingel) sowie Wolgazander (Sander volgensis) nachgewiesen werden.
Im Reservoir von Gabcikovo wurden neben den allgegenwärtigen Schwarzmundgrundeln vor allem Stillwasserarten, wie z.B. Bitterling (Rhodeus sericeus) und Karausche (Carassius auratus), gefangen. Die Nachtbefischung musste hier jedoch aufgrund eines schweren Gewitters abgebrochen werden. Das Fischteam erreicht gerade noch rechtzeitig den sicheren Hafen.
Auf der Weiterfahrt am 24. August zur ersten Probestelle an der slowakisch-ungarischen Grenze in Medvedov wurde das kleine Schiff des Fischteams im künstlichen Navigationskanal von Gabcikovo von einem großen österreichischen Schubverband mit Höchstgeschwindigkeit überholt. Die dabei verursachten Wellen waren über 2 Meter hoch und schwappten sogar über die Bordwände des künstlich angelegten Kanals. Auf der Piscius ging dadurch einiges an Geschirr zu Bruch und zudem ein Teil der an Deck befindlichen Ausrüstung über Bord. In der Schleuse traf man sich dann wieder – die rücksichtslose Hast war also ganz umsonst gewesen. Am Abend des selben Tages traf man sich mit dem nationalen ungarischen Team in Medvedov und machte sich mit allen Mitarbeitern bekannt.
Frühmorgens am 25.08.2007 wurden dann die gemeinsamen Befischungen in diesem Donauabschnitt bis zum Mosoni Seitenarm durchgeführt. Erstmals im Rahmen der gegenständlichen Untersuchungen wurde hier neben einer 3. Grundelart, der Nackthalsgrundel (Neogobius gymnotrachelus), auch der Sichling (Pelecus cultratus) in der Donau nachgewiesen. Die Nachtbefischungen mussten aufgrund des engen Zeitplanes an dieser Stelle ausfallen und wir fuhren nach der Erledigung der Grenzformalitäten weiter Richtung Szob. Dort erfolgten im Laufe des nächsten Tages und während der folgenden Nacht umfangreiche Befischungen mit Elektrogerät und Driftnetzen. Die Zunahme an feinerem Material wie Sand und Schlamm auf Kosten der bisher dominanten Kiesbänke ermöglicht das Vorkommen des Ukrainischen Bachneunauges (Eudontomyzon mariae). Eine weitere Grundel aus der Gattung Neogobius wurde hier nachgewiesen, die Flussgrundel (Neogobius fluviatilis). Der Einsatz des Driftnetzes erbrachte neben einigen Weißflossengründlingen (Gobio albipinnatus) auch den ersten Störartigen – einen Sterlet (Acipenser ruthenus).
Am 27.08.2007 erreichten wir Budapest und führten Befischungen im Seitenarm der Insel Szentendre durch – diese Befischungen sollten als Referenz für die Auswirkungen der Schiffahrt auf die Fische dienen. Allerdings zeigte sich gleich während der Untersuchungen, dass der Seitenarm zwar für die kommerzielle Schiffahrt gesperrt ist, jedoch hier ein intensiver Verkehr von Sportbooten herrscht. Die vorwiegend von Sand dominierten Ufer ergaben eine relativ uniforme Besiedlung mit Fischen. Es fand sich wiederum das Neunauge und die Flussgrundel. Zudem wurden bei einem Einsatz des Zugnetzes neben jungen Rapfen (Aspius aspius), Schrätzer (Gymnocephalus schraetser) und Frauennerflinge (Rutilus pigus) gefangen.
Der 28. August war ausgefüllt mit Besorgungen von Ersatzteilen in Budapest, der Pressekonferenz, der Besichtigung der Schiffe durch die Reporter und einer Demonstration der Probennahme für die Fernsehteams. Am Abend gab es auf Einladung des Staatssekretärs einen Empfang mit Abendessen im Restaurant Rosmaring an der Donau..
Am nächsten Tag (29.08.2007) ging es bereits früh los – bei leichtem Regen wurde die Probestelle südlich von Budapest befischt – die erhöhten Nährstoffkonzentrationen und der vermehrte Schlammanteil äußerten sich hier in hohen Dichten juveniler Neunaugen. Auf einer Sandbank mit geringer Strömung wurden die ersten Individuen des Goldsteinbeißers (Sabanejewia aurata) nachgewiesen. Trotzdem in diesem Donauabschnitt in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts die Lauflänge der Donau um bis zu 40 % verkürzt und damit das Gefälle und die Fließgeschwindigkeit wesentlich erhöht worden war, gibt es noch Reste von Alt- und Seitenarmen, in denen Fischarten wie Rotauge (Rutilus rutilus), Giebel (Carassius gibelio), Karausche (Carassius carassius) und Hecht (Esox lucius) häufig sind. Abends wurden wie bereits an einigen anderen ausgewählten Stellen Gewebeproben von Leber und Muskel einiger Brachsen (Abramis brama) entnommen. Diese Proben werden tiefgekühlt konserviert und am Ende der Fahrt in 2 Labors auf organische Schadstoffe und Schwermetallgehalt untersucht. Über Nacht blieben die 3 Schiffe gemeinsam in Dunajvaros.
Am 30.08.2007 wurde zunächst in mehrstündiger Fahrt die lange Strecke bis nach Mohacs an der Südgrenze von Ungarn überwunden. Während der Fahrt arbeiten die Biologen an der Dateneingabe und den ersten vorläufigen Berichten zu den einzelnen Probestellen. Angekommen in Mohacs wurden alle Vorbereitungen für die Nachtbefischung vorgenommen. Im Zuge dieser Befischungen wurden vor allem viele junge Zander (Sander lucioperca) und auch einige Wolgazander (Sander volgensis) zwischen dem Totholz entlang der Ufer gefangen. Am nächsten Tag wurden dann neben schönen Wildkarpfen (Cyprinus carpio) auch einige kapitale Zander an dieser Probestelle nachgewiesen. Der Einsatz der Driftnetze erbrachte nur einzelne Schrätzer (Gymnocephalus schraetser), Weißflossengründlinge (Gobio albipinnatus) und juvenile Barben (Barbus barbus).
Den 1. September verbrachten die Besatzungen aller 3 Schiffe ungewollt mit Warten! Warten auf die Grenzabfertigung durch die ungarischen Behörden in Mohacs und weiteres Warten in Hercegszanto auf die Erledigung der Formalitäten für die Einreise nach Kroatien. Zum Glück hatte das nationale kroatische Team unter der Leitung von Milorad Mrakovic bereits den ganzen Tag selbstständig die Befischungen an der ersten kroatischen Probestelle durchgeführt, sodass wir auch für diese Stelle vergleichbare Ergebnisse erhalten werden. In Mohacs hatte das Fischteam Verstärkung durch den rumänischen Fischexperten Grigore Davideanu erhalten, und während Christian Wiesner an den Nachtbefischungen in Hercegszanto teilnahm, setzten die 3 Schiffe ihre Reise an diesem Tag noch bis Almjas unterhalb der Mündung der Drau in die Donau fort. Dabei wurde der „neue“ in die Aufgaben und Tätigkeiten eingewiesen, sodass für eine reibungslose Fortsetzung der Arbeiten bestmöglich gesorgt war.
Die für den nächsten Tag vorgesehene Fahrt flussauf in die Drau bis nach Osijek war für Argus und Szechenyi aufgrund des niedrigen Wasserstandes nicht möglich, sodass die Wissenschaftler mit einem Bus zur Pressekonferenz nach Osijek gebracht werden mussten. Währendessen befischte das Fischteam des JDS zunächst gemeinsam mit dem kroatischen Team den Bereich der Draumündung in die Donau. Dabei wurde der Steinbeißer (Cobitis taenia) in hohen Dichten auf einer Sandbank nachgewiesen. Gabor Guti traf bereits zu Mittag in Almjas ein und nach einer kurzen Einführung in die Bedienung von Außenbordmotor und Elektrofischereigerät wurde es Zeit für den Schichtwechsel im Fischteam: Nikolaus Schotzko (BAW) und Jaroslav Cerny (Akademie der Wissenschaften, Bratislava) verließen nach 3 Wochen und über 1.000 km auf der Donau die Vienna 115. Für die verbleibenden 1.300 km bis zur Mündung besteht das Fischteam nun aus dem Österreicher Christian Wiesner, dem Ungarn Gabor Guti und dem Rumänen Grigore Davideanu. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg für die Fortsetzung dieser erstmaligen fischökologischen Bestandsaufnahme entlang der gesamten Donau.
Nikolaus Schotzko, BAW |

